15. Juli 2021

Spitzkoppe – Vingerklip

Leider müssen wir diese wunderschöne Unterkunft bereits wieder verlassen. Wären wir besser informiert gewesen, und hätten einen Tag Reserve gehabt, wir hätten ihn wohl hier verbracht.

Ich stehe etwas vor Tina auf und stelle mich der Kälte, die hier unweigerlich herrscht. Trotzdem ist es wunderschön, wie die Sonne die umgebenden Hügel nach und nach erleuchtet.

Das Morgenessen fällt mindestens so üppig wie das Abendessen aus. Klar ist es ein bisschen etepetete, was hier für Lebensmittel aufgetischt werden angesichts der Kargheit der Umgebung. Andererseits wird maximal aus Nachbarländern angeliefert und der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftszweig.

Unsere heutige Etappe führt uns nach Norden durch das Gebiet der Wüstenelefanten. Wir haben uns als nächste Station bewusst gegen Twyfelvontein entschieden, da wir dort ein paar Touristen vermuteten. Stattdessen werden wir in der Vingerklip Lodge nächtigen und fahren dafür von der Spitzkoppe nach Norden, auf Sandpisten, über Uis nach Norden.

In Uis müssen wir tanken, was uns wieder ein Mal die aktuelle Problematik hier vor Augen führt.

Wir halten an und nebst dem Tankwart nähern sich sofort drei Männer dem offenen Fenster. Etwa 10 weitere sitzen auf der anderen Strassenseite unter einem Baum am Schatten.

Die drei Männer wollen uns Steine verkaufen, die sie in den Brandbergen geschürft haben. Erstens haben wir kein Faible für Steine und zweitens ist es verboten diese auszuführen.

Nach kurzer Beratung teilen wir den drei Männern mit, dass wir zwar keine Steine kaufen, wohl aber im Laden ein paar Lebensmittel für sie.

Das ist sofort in Ordnung für sie und nach einer weiteren kurzen Beratung beschliesst Tina, dass sie mit dem jungen Mann einkaufen geht und ich aufs Auto achten soll. Ich unterhalte mich mit den zwei jungen Männern abwechslungsweise auf Englisch und Deutsch und erfahre, dass sie wohl weiter mehr könnten als diese Steine an den Mann zu bringen, während Tina mit dem Dritten im Laden ist.

Als sie rauskommen geht Tinas junge Begleitung schnurstracks über die Strasse zu den restlichen Männern und auch meine Gesprächspartner verabschieden sich und gehen rüber. Für uns ist es sehr schön zu sehen, dass die Lebensmittel genutzt und auch – so wie wir das sehen – unter den Anwesenden fair geteilt werden.

Auf den weiteren Kilometern erzählt mir Tina, was der Einkaufskollege sich nebst Wasser, Brot und Wurst noch gewünscht hat – Zigaretten und vor allem Coca Cola. Tina hat dies vehement verneint, was aber auch kein Problem war.

Auf dem weiteren Weg nach Norden begegnen wir schon bald einem Kind am Strassenrand, das mit einem Wasserbehälter wink. Wir halten an und bieten wie immer Wasser an. Früher als sonst schwenkt die beschränkte Unterhaltung in Richtung Essen und alsbald Geld.

Wir halten auch bei den nächsten drei Kindern – anschliessend aber nicht mehr. Auch die inszenierte Tanzgruppe lassen wir stehen – es ist einfach zu viel für uns.

An der Kreuzung C35/C39 fahren wir nach Osten und nach dem hiesigen Flugfeld schon bald nach Südosten auf die D2743.

Google Maps verspricht uns hier ein paar schöne farbige Ansichten bis wir zur Lodge kommen.

Der Empfang ist goldig und wir können uns sogar das Zimmer aussuchen. Natürlich nehmen wir dasjenige mit dem besseren Blick auf das Wasserloch…

Dieses muss aber noch warten – zuerst erwandern wir uns die Vingerklip, die für die Lodge hier namensgebend ist. Wir sehen unterwegs diverse Tierspuren, aber nichts Lebendiges. Erst als wir oben bei der Vingerklip ankommen und die Ferngläser auspacken erspäht Tina drei Giraffen in der Nähe des Flugfeldes der Lodge.

Die Giraffen sind leider zu weit weg für die mitgebrachten Objektive.

Zurück in der Unterkunft machen wir es uns auf der Terrasse gemütlich und beobachten das ziemlich gut besuchte Wasserloch.

Beim Nachtessen unterhalten wir uns ein wenig mit dem Direktorenpaar, welches perfekt Deutsch spricht, aber scheinbar noch nie etwas von Corona gehört hat. Ich erkundige mich, ob sie auf eine morgens startende Drohne schiessen würden, was sie aber verneinen. Aber die Fotos hätten sie dann schon gerne – wird nicht passieren, da ich ja gar keine nationale Bewilligung habe.

Das Nachtessen ist vor allem üppig. Nicht die gewohnte feine Klinge, sondern vor allem viel. Aber Hauptsache es schmeckt und man wird satt.

Gute Nacht!


Gefahrene Km: 265

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