8.-9. Juli 2021

Vorwort und Anreise bis Kalahari Anib Lodge

Wir waren noch nie in Afrika – geozugehörige Touristenziele Ägypten und Seychellen ausgenommen. Warum also gerade jetzt während dieser Pandemie? Und warum Namibia?

Für uns ist diese Frage relativ einfach zu beantworten: Das Fernweh hat uns gezogen. Uns war einen Monat vor den Sommerferien klar, dass wir weg gehen. Wohin, das war uns ziemlich egal. Hauptsache Natur und einsame Momente.

Für ein Mal haben wir uns deshalb zur Buchung über ein Reisebüro entschieden. Nach einer Erstkonsultation per Zoom und der, aufgrund der vorherrschenden Reiserestriktionen, vorherigen Eingrenzung auf Afrika oder Island war uns bald klar, dass es nach Namibia geht. “Afrika für Einsteiger” hatte uns überzeugt und die weitere Planung konnte losgehen.

Nach etwas zögern traute sich schlussendlich die ganze Reisegruppe eine Mietwagenrundreise zu und der vom Reisebüro vorgegebene Plan wurde noch etwas angepasst. Bis Mitte Juni war alles gebucht, geplant und bestätigt – mit dem Wissen, dass es jederzeit ändern kann.

Vorgängige PCR-Tests negativ: es kann losgehen!

8 Juli 2021 – Anreise

Die Packerei ist soweit gut verlaufen – Tina kommt sogar mit unserem kleineren Koffer aus. Die Hoffnung, dass nichts vergessen ging fährt wie immer mit.

Wir werden am Mittag zuhause abgeholt und zum Bahnhof gefahren. Der Zug fährt pünktlich und wir haben vorher noch etwas Zeit uns mit Brunch einzudecken.

Am Flughafen Zürich ist überraschenderweise einiges los. Klar, es sind Schulferien, aber gleichzeitig wäre eigentlich auch Pandemie. Wir sind froh, dass wir ein Zertifikat und einen negativen Test unser Eigen nennen und uns nach reibungslosem Check-in und Passkontrolle in die Lounge begeben können.

Uns fällt schnell auf, dass die Abflugtafeln in ZRH auch schon besser gefüllt waren, was scheinbar auch das Wetter traurig stimmt.

Unsere Reise führt uns von Zürich über Frankfurt nach Windhoek. Der erste – und pünktlich startende – Flug kann somit als Hüpfer bezeichnet werden. Trotzdem werden Leckereien serviert. Zum Glück konnten wir uns bis anhin zurückhalten.

In Frankfurt angekommen haben wir keine allzu lange Umsteigezeit. Jedoch würde sich der Loungezugang gleich bei unserem Abfluggate befinden. “Würde”, da Frankfurt wie alle anderen Flughäfen den Service reduziert hat und so stossen wir auf geschlossene Türen.

Die Wartezeit ist aber wirklich kurz und wir beobachten, dass viele Reisende am Abfluggate B25 schon mit uns im Flieger nach Frankfurt waren. Die verschiedenen Ausrüstungen verraten uns nicht wirklich, ob wir für unseren Urlaub richtig gepackt haben, sind aber zum Teil wirklich unterhaltsam.

Das Boarding verläuft in altbekannten Mustern und an Bord werden wir nach dem Start wunderbar umsorgt.

Das Essen bei Lufthansa war wie auch beim letzten Mal sehr gut und wir können den Flug nun fast richtig geniessen. Fast, weil wir noch immer nicht im Zielland eingereist sind. Bis dahin vergehen noch 10 Flugstunden.

Immerhin werden wir dank des Essens müde und schlafen ein paar Stunden bevor wir für das Morgenessen geweckt werden. Wir fliegen über die Etosha-Pfanne und unendliche öde Weiten, die wir bisher auch auf unseren Nordamerika-Flügen nicht gesehen haben.

Morgenessen:

Nun wird es interessant. Wir landen auf der einzigen Piste des Husea Kutako International Airport und die Crew weist die Passagiere an auf den Plätzen zu bleiben, bis weitere Informationen folgen. Wieder werden wir etwas nervös, weil wir das noch nie so erlebt haben.

Kurz darauf heisst es aussteigen – Reihe für Reihe. Das klappt erstaunlich gut und das Bild des Flugfelds des grössten internationalen Flughafens des Landes ist nicht minder eindrücklich:

Die Einreise: Kontrolle der Dokumente (PCR-Test, Pass), Temperaturmessung und schon sind wir drin. Gepäck vom Band nehmen und : Halt! ein weiterer Posten! Stimmt, im Flieger durfte man noch ein Einreiseformular ausfüllen (wir hatten dies bereits vorher erledigt) auf welchem man bestätigt, dass man nicht krank ist. Die Dame nimmt das Formular entgegen und winkt uns durch zum Zoll.

Wir freuen uns bereits, dass wir wirklich eingereist sind und können uns sogar amüsieren als wir die Zollbeamte sehen, die uns darauf aufmerksam macht, dass das Gepäck durch das Röntgengerät muss. Wer nie in Namibia oder ähnlichen Ländern war, kann sich die Ironie dieses Bildes kaum vorstellen.

Nun, wir sind durch. Wir marschieren zum nächsten Geldautomaten und decken uns mit Namibischen Dollars ein. Nächstes Ziel ist unsere Autovermietung. Ich war nach der Lektüre diverser Reiseberichte etwas skeptisch, ob ein internationales Unternehmen für diese Reise wirklich die richtige Wahl war (ok, wir haben das nicht gebucht , sondern das Reisebüro, aber trotzdem).

Der erste Eindruck ist makellos. Die Dame am Schalter fertigt uns souverän ab und erklärt uns den Weg zum Wagen. Dort angekommen werden wir herzlich empfangen und sogleich erblicken wir unser Auto, einen Toyota Fortuner 4×4 mit Untersetzung, Differenzialsperre und jeglichem Medienschnickschnack den ich mag.

Bevor wir das Fahrzeug auch nur anfassen dürfen ist eine Video-Einweisung Pflicht. Wir amüsieren uns ab der Qualität des Videos, obwohl die vorgängig recherchierten Risiken sich scheinbar bewahrheiten. In Namibia stirbt man eher bei einem Autounfall als an etwas anderem. Wir können uns das noch nicht so ganz vorstellen, werden aber während der Reise etwas Besseren belehrt werden.

Die Übergabe läuft perfekt ab mit Erklärung des Getriebes inklusive Untersetzung und Differentialsperre. Zudem wird uns erklärt, wo sich die Ansetzpunkte des Wagenhebers befinden – was durchaus von Nutzen sein wird.

Wir fahren also vom Hof und unser erster Plan – bei der ersten Tankstelle (Namcor) Wasser und ein paar Snacks einzukaufen – läuft ins Leere, da der Shop geschlossen ist. Wir wissen, dass es in der Nähe eine zweite Tankstelle mit Shop hat und fahren dahin.

Wir werden scheinbar voller Freude erwartet – so schätzen wir die Situation ein, da uns ein Tankwart euphorisch winkend zur Säule geleitet. Ich frage Tina, ob sie lieber den Wagen “beschützen” oder einkaufen will. Also gehe ich in den Laden und bin ob des Angebots weder erstaunt noch aus dem Häuschen. Ich kann aber ein paar Liter Wasser und diverse Snacks kaufen, was für uns absolut genug ist.

Nun können wir los. Der Linksverkehr macht mir erfahrungsgemäss nichts aus und die B6 ist eh ziemlich leer. Schon bald biegen wir auf die C23 ab und das Ferienfeeling stellt sich ein.

Bereits jetzt können wir in Gebüschen neben der Strasse Affen (Paviane) erkennen, können jedoch nicht anhalten. Schliesslich entdecken wir eine Haltemöglichkeit.

Die Autobahnraststätten sehen hier etwas anders aus als wir uns von Europa gewöhnt sind, jedoch sind sie uns in keinster Weise weniger sympathisch.

Schon bald nach dem Abzweiger zur C15 fahren wir durch ein baumgesäumtes Tal und nach wie vor halten wir unsere Augen offen.

Vom Beifahrersitz hallt ein kurzes “Halt! Giraffe!” und schon sind wir für fast zwei Stunden unterhalten.

Wir haben uns für den ersten Tag ziemlich viele Kilometer vorgenommen und darum müssen wir weiter. Wir versuchen immer der C15 zu folgen, was sich aber nicht immer als einfach herausstellt.

Sogar der kleine Umweg ist aber ein Volltreffer und wir können ein paar Tiere erblicken, welche wir sonst wohl nicht gesehen hätten.

Die Strasse ist ab und zu ein ziemliches Waschbrett. Wer schon ein Mal durch Utah und speziell die hole-in-the-rock-road gefahren ist, weiss was ich meine, obwohl das hier noch einen Level höher ist.

Wir freuen uns also fast auf die C20, welche uns mit Asphalt willkommen heisst. Wir wissen, dass unsere Reifen nur mit ca. 1.8 Bar gefüllt sind und fahren darum auch nie über 100 Km/h trotz erlaubten 120 . Umso mehr sind wir nach ein paar hundert Metern enttäuscht:

Als hätten wir nie etwas anderes gemacht wechseln wir das Rad und sehen aber sofort, dass auch das Ersatzrad nicht gerade “neu” ist. Also geht es anschliessend in gemächlichem Tempo die restlichen 3 Kilometer in Richtung Unterkunft, welche wir schadlos erreichen.

Die Kalahari Anib Lodge empfängt uns wunderbar. Wir erwähnen natürlich umgehend unser Problem mit dem Rad und können das Telefon an der Réception benutzen.

Der nette angestellte von Europcar fragt uns nach Erwähnung des Problems lediglich nach unseren Reiseplänen und teilt uns mit, dass wir uns doch vor Verlassen der Anib Lodge wieder melden sollen. Also alles in Ordnung.

Wir beziehen das Zimmer, sind erstmal sprachlos und machen uns dann trotzdem auf, um auf das gewechselte Rad anzustossen.

Das Nachtessen ruft und wir sind gespannt, da dies wie bereits beschreiben unser erster Namibia-Urlaub ist. Das Menu konnten wir bereits vorgängig auf den Tafeln vor dem Restaurant erblicken, jedoch hat dieses nicht allzu viel über die Zubereitungsart verraten.

Kurz darauf erkennen wir, das die Kolonialgeschichte des Landes immer noch mitschwingt. Wir werden fast gemästet, sind uns aber noch nicht bewusst, dass diese Auswahl an Gemüse nicht allzu typisch für Namibia ist.

Nach dem wirklich guten Essen setzen wir uns noch kurz am (für die fünf Gäste) entzündeten Lagerfeuer und stossen an auf unser Ankommen in Namibia.

Gefahrene Km: 296

Gute Nacht!

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2 thoughts on “8.-9. Juli 2021”

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